Global Voices Online – Ein Filter für die Blogosphäre

Ein völlig anderes Projekt ist Global Voices Online. Hier wird von Redakteuren und Bloggern die Blogosphäre nach relevanten Blogeinträgen durchkämmt, die dann auf der Plattform nochmals in verschiedene Sprachen übersetzt, veröffentlicht werden. Zu den Sprachen, in denen veröffentlicht wird, gehören englisch, deutsch, französisch, spanisch, portugiesisch, chinesisch, russisch, arabisch und bangla. Es ist ein nicht-kommerzielles Projekt, das am Harvard Law School’s Berkman Center gegründet wurde. Die Idee für das Projekt stammt von einem internationalen Blogger Treffen namens »Havard Converence« das im Dezember 2004 stattfand. 1

Global Voices Online dient also als Filter nach der Veröffentlichung, so wie es Bowman und Willis sich von den redaktionellen Strukturen von Bürgerjournalismus erhoffen.2 Durchsucht werden Weblogs, Podcasts, Foto-Tausch-Websites, Videoblogs und andere Arten von Online-Bürgermedien aus der ganzen Welt von etwa 80 freiwilligen Autoren, neun regionalen Blogger-Redakteuren und Übersetzern. Durch die Kenntnis der regionalen Blogosphäre sind diese Leute befähigt Kontexte herzustellen und die Relevanz von Informationen, Ansichten und Analysen, die jeden Tag in den jeweiligen Ländern gepostet werden, richtig zu deuten und darzustellen. Sie heben laut Global Voices Online Dinge hervor, die von den Mainstream-Medien nicht veröffentlicht worden sind. Es gibt eine Link-Abteilung, in der an jedem Wochentag die fünf bis zehn der interessantesten Blogs verlinkt werden. Weiterhin gibt es eine Weblog-Abteilung, in der längere Features gepostet werden. Diese Features werden unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.3

Die vorrangigen Ziele von Global Voices Online sind laut des Projektes erstens Aufmerksamkeit auf die interessantesten Unterhaltungen und Perspektiven zu lenken, die durch Bürgermedien überall auf der Welt auftauchen. Dies geschieht durch Verlinkung zu Text, Fotos, Podcasts, Video und anderen Formen von Grasswurzel-Bürgermedien, die von Leuten aus aller Welt produziert werden. Das zweite Ziel, ist es, das Entstehen von neuen Bürgerstimmen durch Training, Online-Tutorials und die Veröffentlichung von Arten zu unterstützen, durch die Open-Source- und kostenlose Werkzeuge sicher von Menschen genutzt werden können, um sich selbst auszudrücken. Das dritte Ziel von Global Voices Online ist es, Verfechter für Meinungsfreiheit überall auf der Welt zu sein und die Rechte von Bürgerjournalisten zu schützen, ohne Angst vor Zensur oder Verfolgung über Geschehnisse zu berichten und Meinungen zu äußern.4 Die hauptsächlichen Werte von Global Voices Online sind in einem Aufsatz der sich »Manifesto« nennt festgeschrieben. Er beginnt so:

»We believe in free speech: in protecting the right to speak – and the right to listen. We believe in universal access to the tools of speech. To that end, we seek to enable everyone who wants to speak to have the means to speak – and everyone who wants to hear that speech, the means to listen to it.«5

Global Voices ist vor allem der Meinungsfreiheit verbunden und heißt alle Leute willkommen, die die Wichtigkeit derselben einsehen und sich selbst dafür einsetzen. Es kommt der Organisation nicht darauf an, welcher Religion oder politischen Überzeugung die Autoren angehören. Sie suchen dementsprechend nach Vertretern einer großen Bandbreite von politischen Orientierungen und Glaubensrichtungen.6

Um ihre Ziele zu erreichen, brauchen die Gründer Kapital, das ihnen in Form von Zuschüssen zum Beispiel vom Open Society Institute’s Information Programm, von der MacArthur Foundation und der dänischen NGO Hivos zur Verfügung gestellt wurde. Weiterhin arbeitet Global Voices Online mit der Nachrichtenagentur Reuters zusammen, die ebenfalls einen unbeschränkten Zuschuß gewährt.7

Dean Wright, Reuters Managing Director for Consumer Services, sagt gegenüber Boston.com, dass die Nachrichtenagentur Global Voices interessant gefunden habe, da die Ausbreitung von Stimmen im Internet die Art verändert habe, wie sich Informationen verteilen. Darüber hinaus ist er der Meinung, dass Bürger- und Mainstream-Medien letztendlich zusammenarbeiten werden und keine Konkurrenten sind, aber dass traditionelle Medien immer noch die Verantwortung haben Fakten zu überprüfen und Zusammenhänge zu Nachrichten-Ereignissen darzustellen.8

Bei Global Voices Online werden vor allem Blogger vorgestellt, die als sogenannte »Bridge-Blogger« eine Brücke zwischen den Kulturen aufbauen. Das sind Autoren, die ihre lokale Situation einem globalen Publikum erklären. Da eine Internetverbindung und ein Computer nötig sind, sind es meistens die Stimmen der Gelehrten und Privilegierten eines Entwicklungslandes die gehört werden. Zuckerman der Co-Gründer von Global Voices Online sagt dazu gegenüber Boston. com:

»It’s impossible in the world of blogs to be fair and balanced, but it’s possible to be diverse and transparent. … No one pretends that blogs are the voice of the common man. … We’re not the alternative to having good foreign news coverage. … Bloggers aren’t able to do what really talented professional journalists can. Bloggers for the most part have jobs. They’re not able to spend days staking out a story. But we provide more perspective, more depth and more color than you’re likely to get in a conventional newspaper.«9

In einem Artikel von Global Voices schreibt Solana Larsen über die Top Artikel und meistgelesene Artikel des Jahres 2007. Dieser Beitrag soll für eine inhaltliche Analyse verwendet werden. Sie schreibt, dass die Top Artikel vor allem solche gewesen seien, in denen lokale Blogger zu wichtigen Quellen der internationalen Medien wurden. Als Beispiele werden Proteste in Myanmar, Pakistan und die Unruhen in Kenia genannt. Andere Artikel seien besonders beliebt, weil kaum jemand über die Regionen berichte. Hier sind die Beispiele Tropenstürme in Barbados, Dominica, Jamaika, Cayman Islands, Honduras und Oman. In dem meistgelesenen Artikel ging es laut Larsen um chinesische Kleinbauern, deren Existenzgrundlage verloren gegangen sei. 10

vorherige Seite                                                                                                      nächste Seite

2 Vgl. Bowman; Willis 2005: S.21 ff.

CC BY-NC 4.0 Dieses Werk ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell 4.0 international.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Bitte Rätsel lösen, um Kommentarfunktion zu aktivieren. Danke.WordPress CAPTCHA