Soziale Netzwerke im Internet

In diesem Kapitel soll anhand von Beispielen die Funktionsweise eines sozialen Netzwerks im Internet dargestellt und seine Bedeutung für die Nachrichtenberichterstattung erläutert werden. Eine Online-Community ist ein Netzwerk von Menschen, das durch ein gemeinsames Ziel und Vertrauen durch das Internet miteinander verbunden sind. Eine Social Networking Site ist eine Online-Community in der die Person, und ihre Verknüpfung mit anderen Personen im Vordergrund steht. Die Öffentlichkeit, die sich als bürgerliche Öffentlichkeit in Kaffeehäusern und Pubs getroffen hat, und später durch die Massenkommunikationsmittel getrennt wurde, vereint sich nun wieder im virtuellen Raum, um Gleichgesinnte (peers) zu treffen, mit ihnen zu kommunizieren und Meinungen auszutauschen.

Dieses Aufeinandertreffen von Individuen mit den gleichen Zielen im Internet kann positive aber auch negative Effekte haben. Treffen sich Experten in einem Forum, um Wissen auszutauschen, dann hat das für die gesamte Gesellschaft positive Auswirkungen. Treffen sich jedoch psychisch labile oder extremistische Personen im Internet und tauschen Gedanken und Erfahrungen aus, dann hat das für die Teilnehmer und oft auch für ihre mittelbare und unmittelbare Umgebung negative Folgen. So gibt es zum Beispiel Foren, in denen die Krankheit Annorexie als Lebenstil glorifiziert wird und Erkrankte sich gegenseitig zum hungern antreiben. Auch für den internationalen Terrorismus ist das Internet eine Plattform geworden.

In dieser Diplomarbeit wird der Austausch von Wissen und Meinungen, die für die Gesellschaft relevante Ereignisse und Entwicklungen beinhalten, behandelt. Dabei können auch persönliche Erfahrungen Einzelner für die Allgemeinheit von Relevanz sein. Beispiele für Online-Communitys beziehungsweise Social-Networking Sites in Deutschland ist StudiVZ, ein Studenten-Netzwerk, dass sich in viele Untergruppen untergliedert und den Teilnehmern die Chance gibt sich selbst darzustellen, Nachrichten an Freunde zu verschicken und Fotos hochzuladen.1

Ein Beispiel für die Wichtigkeit der neuen Social-Networking Sites zeigt der Amoklauf in Blacksburg am 16. April 2007. Informationen wurden hier nicht nur über die traditionellen Medien sondern auch und vor allem über die Social-Networking-Site Facebook ausgetauscht. In der Studenten-Community tauschten betroffene Studenten Nachrichten aus und waren dabei meist schneller als die traditionellen Medien, die sich auf der Suche nach authentischen Berichten ebenfalls mit Profilen in der Community anmeldeten, damit auf wenig Verständnis stießen und schließlich gelöscht wurden. Auch wurden Zitate und andere Informationen von Opfern ohne Einwilligung der Betroffenen von Medien genutzt und versucht Kontakt mit ihnen aufzunehmen. 2

Im Spiegel Online schreibt Marc Pitzke über Facebook:

»Eines steht fest: Facebook hat sich als Prototyp eines Zukunftsmediums erwiesen. Während sich Zeitungen und Fernsehsender in Blacksburg mit Betroffenheitsjournalismus abquälten, bewies allein Facebook – einst eine reine Studenten-Community – kommunikative wie emotionale Tiefe. Es war die Informationszentrale, Depot für Videos und aktuelle Handyfotos, Online-Schrein und generell ein Musterbeispiel jenes ›Bürger-Journalismus‹, dem zum Beispiel auch CNN neuerdings so mühsam hinterher hechelt.«3

Zwei Dinge werden durch das Beispiel anschaulich verdeutlicht. Eine Community wie Facebook ist in der Lage in kürzester Zeit eine Menge an relevanten Informationen in Wort und Bild zusammenzutragen und sie reagiert empfindlich auf Störungen von außen. Darüber hinaus lebt die Gemeinde von den Informationen über ihre Teilnehmer. Je mehr diese über ihr Leben schreiben, je mehr Fotos ihrer Freunde sie einstellen und je mehr Nachrichten sie an diese schreiben, desto lebendiger wird die Gemeinschaft. Auch hier gilt Reed’s Gesetz. Je mehr Leute teilnehmen, desto höher wird der Wert der Community für die Gemeinschaft.4

Eine weitere Besonderheit von Online-Communities im sogenannten Web 2.0 soll am Beispiel der Social-Bookmarking Site digg.com erläutert werden. Ein Nutzer verwies auf der Seite auf einen illegalen Code zur Umgehung des Kopierschutzes von HD DVDs. Dieser Eintrag wurde von anderen Nutzern positiv bewertet aber bald aufgrund der Möglichkeit einer Klage gelöscht. Andere Nutzer stellten daraufhin Beiträge auf ihrem Account ein und umgingen somit die Zensur der Seitenbetreiber. Nach kurzem Hin und Her gab der Unternehmensgründer Kevin Rose bekannt, dass keine Beiträge mehr gelöscht werden würden, die auf den Code hinweisen. Die Community hatte die Zensur umgangen.5 Es wird hier außerdem die neue Macht (siehe Kapitel The Long Tail) der Nutzer einer Community deutlich. Sollten diese unzufrieden mit den Seitenbetreibern sein, würden sie sich einfach einem anderen Dienst zu wenden.

Es entstehen im Internet auch viele Community-News-Seiten, die sich im Einklang mit dem Gedanken des Civic Journalism auf einen ultralokalen Bereich konzentrieren und so einen virtuellen Marktplatz darstellen, auf dem Probleme der Gemeinde diskutiert und Lösungsansätze vorgebracht werden können. Seiten wie Baristanet, iBrattleboro oder MyMissourian finden in den USA immer mehr Anklang und sind eine Reaktion auf die fehlenden Lokalberichterstattung seitens der Zeitungen in diesen ländlichen Regionen. In Deutschland verfolgt die Site myheimat.de einen ähnlichen Ansatz.6

Jan Schaffer schreibt in seinem Aufsatz über die Bürgermedieninitiativen:

»These initiatives are generating hyperlocal and special-interest news and information and breaking-news eyewitness accounts from far, far away – from the perimeters of major media markets to the outer reaches of rural areas.«7

Das Loudoun Forward Project ist eines von vielen ultralokalen Community-News Unternehmen, die durch die Knight Foundation in den USA gefördert werden. Durch diese Projekte sollen ländliche Gebiete eine »neue Stimme« erhalten.8 Die Management Partner des Projektes äußerten gegenüber der Washington Post:

»Today, there are no local media organizations that explore Loudoun’s future – no presentation of ideas and solutions to long-therm problems. Current media focuses on the short term and is, by nature, reacting to events.«9

Diese Entwicklung zeigt, wie schnell die Leute bereit sind sich zu vernetzen und im Bereich Bürgerjournalismus tätig zu werden, wenn die traditionellen Medien ihrer Meinung nach ihre Aufgabe nicht in ausreichendem Maße erfüllen.

In Großbritannien hat es sich die BBC unter Leitung von Richard Sambrook zur Aufgabe gemacht, Gemeinden digital zu vernetzen. Die BBC hat von der Regierung die Aufgabe bekommen, mit Bürgerjournalismus und Sozialen Netzwerken zu experimentieren. So ist im Jahre 2003 Das Projekt Digital Communities entstanden, das die Inseln Argyll und Bute Council, die an der Westküste Schottlands liegen, mit einem PC und einer Internetverbindung ausstatten, um sie über ihr Leben bloggen zu lassen. Weiterhin entstand das Action Network von BBC, das 2003 gestartet wurde. Es hilft den Nutzern sich stärker in ihrer Gemeinde zu engagieren und andere mit den selben Problemen oder Ansichten zu treffen. Sie werden durch Workshops und das zur Verfügung gestellte Netzwerk dazu befähigt eigene Kampagnen zu organisieren.10

Sambrook schreibt über die Stärken des Action Network:

»Much of the strength of Action Network derives from the tenor of impartiality that the BBC brings to the project. The civic space it creates is a neutral area, a place where anyone can put any issue on the agenda, as long as the comply with basic house rules.«11

Die Bürger werden also einerseits von Journalisten und Initiativen angeregt Netzwerke zu bilden. Andererseits entstehen in Netzwerken wie Facebook Arten von Bürgerjournalismus, wenn neue Informationen über diese weitergeleitet werden.

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1 Vgl. www.studivz.net

4 Vgl. Rheingold 2002: S. xiv, Vgl. Möller 2005: S. 208

6 Vgl. Bowman; Willis 2005: 7 ff., Vgl. Gillmor 2005, S. 11 f.

7 Schaffer 2005: S. 23

8 Vgl. Schaffer 2005: S. 24

9 zitiert aus Schaffer 2005: S. 24

10 Vgl. Sambrook 2005: S. 13f., Vgl. Gillmor 2005, S. 12

11 Sambrook 2005: S. 14

CC BY-NC 4.0 Dieses Werk ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell 4.0 international.

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