Kriterien der Nachrichtenauswahl

Aufgrund der Struktur der Massenmedien ist es notwendig, aus der täglich anfallenden Menge an Nachrichten, die herauszufiltern, die nach bestimmten Auswahlkriterien und der Meinung der Redaktionen am relevantesten sind. Die Journalisten als Vertreter der Medien haben die Funktion von Torwächtern oder englisch gate-keeper, die für die Nachrichtenauswahl verantwortlich sind. Ereignisse, gesellschaftlich relevante Vorgänge, Presseerklärungen von Staat, Wirtschaft und Verbänden werden von Korrespondenten für ihre Berichterstattung ausgewählt und an Nachrichtenagenturen oder im Fall des öffentlich-rechtlichen Fernsehens direkt an die Redaktionen weitergeleitet. Sie wählen dann nach ihren Kriterien Nachrichten aus, welche von den Massenmedien, sprich Presse, Rundfunk- und Fernsehanstalten, wiederum gefiltert und bearbeitet und veröffentlicht wird.1

Nur ein Bruchteil der täglichen Informationen, findet den Weg über die Medien zur Öffentlichkeit. Die Journalisten bestimmen die Themen, die die Öffentlichkeit wahrnimmt und diskutiert und wie häufig und umfangreich über diese berichtet wird. Durch ihre Entscheidung darüber was veröffentlicht wird, bestimmen die Medien, wie die Rezipienten die Wirklichkeit wahrnehmen. Diese Auswahl ist als Agenda Setting bekannt – ein Begriff der in den Achtziger Jahren von Donald Shaw geprägt wurde. Demnach beeinflussen sie nicht, was die Rezipienten denken, sondern über welche Themen sie nachdenken.2

Die Nachrichtenauswahl geschieht nach bestimmten Kriterien, die von Johan Vincent Galtung und Mari Holboe Ruge in ihrer ersten und bis heute aktuellen Veröffentlichung , erschienen 1965 im zweiten Journal of Peace Research – als »Nachrichtenfaktoren« bezeichnet werden.3 Zu diesen gehört die Betroffenheit, auch kulturelle Nähe genannt, die Vorhersagbarkeit und Kontinuität. Es ist außerdem ein Bezug auf Elite-Nationen, Elite-Personen und ein Hang zur Personalisierung festzustellen. Darüber hinaus halten Galtung und Ruge den Negativismus für einen entscheidenden Nachrichtenfaktor. Demnach wird ein Ereignis umso eher zur Nachricht, je mehr es auf Konflikt, Aggression, Zerstörung und Tod bezogen ist.4 Die Auswahl der Nachrichten ist laut Einar Östgaard – erschienen in ebenfalls 1965 im Journal of Peace Research – für die Verzerrung der Berichterstattung verantwortlich. Laut ihm stimmt das wirkliche Geschehen in der Welt nicht mit dem überein, was die Medien darüber berichten.5 Je länger die Nachrichtenkette ist, also je mehr Institutionen hintereinander die Nachrichten filtern, umso stärker wirkt die Verzerrung. Demnach sind internationale Nachrichten davon am ehesten betroffen.

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1Vgl. Donsbach 1999: S. 81 f., Vgl. Janowitz 1975: S. 618 ff.

2Vgl. Hasebrink 2006b: S. 19

3Vgl. Galtung; Ruge 1965

4Vgl. Schulz 1999: S. 330 ff.

5Vgl. Östgaard 1965

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