Zielstellung der Arbeit

Die Studie wird von der Fragestellung durchzogen, welchen Einfluss die Digitalisierung auf die Gesellschaft hat, und wie positive Effekte erzielt werden können. Durch die neuen Technologien und ihre Nutzer ist es möglich, Informationen und Meinungen nicht nur zu verbreiten, sondern sie als Konversation zu sehen, in der verschiedene Perspektiven beachtet und Entwicklungen berücksichtigt werden.

In dieser Studie soll untersucht werden, in welchen Formen die Vielzahl an Informationen und Meinungen der Bürger veröffentlicht werden können, damit sie glaubhaft sind und so Einfluss auf die öffentliche Meinung nehmen können. Die Motivation der Bürger, zur Sammlung, Sortierung und Veröffentlichung von Informationen beizutragen, verrät etwas über die Funktionsweise der Gesellschaft und soll hier ebenfalls untersucht werden.

Durch digitale Technologie und Ausbau des Breitbandnetzes ist die Informationsvermittlung günstiger, schneller und einfacher möglich als je zuvor. Die Nutzer können im sogenannten Web 2.0 nicht nur Informationen abrufen, sondern auch selbst Inhalte erstellen. Sind diese Inhalte von publizistischem Wert und sind sie von Internetnutzern recherchiert, bearbeitet und veröffentlicht worden, ist die Rede von partizipativen Medien. Ziel der Studie ist es, die Redaktionssysteme von partizipativen, publizistischen Online-Plattformen zu vergleichen.

In dieser Untersuchung werden die kollaborativen, publizistischen Online-Plattformen analysiert, in denen Internetnutzer redaktionelle Inhalte recherchieren, bearbeiten und veröffentlichen können. Die Untersuchung stützt sich auf Expertenaussagen, empirische Studien zum Nutzerverhalten und zum Selbstverständnis von Journalisten, auf die Auswertung vorhandener Literatur und die Recherche in der aktuellen Tagespresse.

In der Studie werden die induktive und die vergleichende Methode angewandt. Die Redaktionssysteme partizipativer Formate sollen anhand von etablierten und in der Entwicklung befindlichen Plattformen analysiert werden. Da bisher nur wenige Studien existieren, wird eine Befragung von Gründern beziehungsweise leitenden Redakteuren von partizipativen Online-Plattformen durchgeführt. In dieser werden die Profile der Projekte und der Nutzer erfragt und anschließend verglichen. Den Aussagen der Akteure werden Aussagen von Wissenschaftlern und Entscheidern aus dem Gebiet des professionellen Journalismus gegenübergestellt.

Als Vergleich für die Organisationsstruktur und die Arbeitsabläufe von partizipativen Formaten wird die Entwicklung von Open-Source-Software herangezogen. Diese Form der Zusammenarbeit existiert schon seit den Anfängen des Internet und ist in vielen Punkten mit der gemeinsamen Erarbeitung von redaktionellem Inhalt vergleichbar. Auch das Wikipedia-Projekt dient als Referenz.

Bei der Analyse des Phänomens der partizipativen Medien ergeben sich Fragen, die im Verlauf der Diplomarbeit erörtert werden. Die Hauptfrage ist, welche Redaktionssysteme bezüglich kollaborativen publizistischen Online-Plattformen unterschieden werden können. Darüber hinaus sollten Begriffe wie Bürgerjournalismus und partizipative Medien geklärt werden.

Außerdem ist es wichtig die Voraussetzungen für den Erfolg von partizipativen Medienprojekten zu erfahren. Was motiviert Internetnutzer, redaktionellen Inhalt zu publizieren? Welche Entwicklung werden die partizipativen Medien in Zukunft machen und welche Position werden sie im Mediensystem der Zukunft einnehmen?

Zu erwarten ist zum einen, dass das Redaktionssystem einer partizipativen Form sich als überlegen erweist. In diesem Fall besteht die Möglichkeit, dass partizipative Medien sich als wichtiger Bestandteil des Mediensystems etablieren. Auch der Fall, dass kein Redaktionssystem für partizipativen Journalismus geeignet ist, kann eintreten. Mögliche Verbesserungen und andere Formen sollten in diesem Fall erläutert werden.

Es ist darüber hinaus eine Vereinnahmung durch die etablierten Medien vorauszusehen. Sollten die Nutzer in der Zusammenarbeit jedoch das Gefühl haben übervorteilt zu werden, werden sich Mischformen aus Nutzerinhalten und Moderation durch traditionelle Medien nur schwer durchsetzen können. Wenn sich alle partizipativen Redaktionssysteme als geeignet erweisen, wird eine Koexistenz aller Formen angenommen. Die partizipativen Medien werden fortbestehen. Ob sich dann eine fruchtbare Zusammenarbeit mit den etablierten Medien entwickelt, bleibt abzuwarten.

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